Christoph Püchel

Kompression

Boss CS-1 Compression Sustainer

Boss Compression Sustainer CS-1

Der erste von Boss auf den Markt gebrachte Kompressor unterscheidet sich von seinen Nachfolgern vor allem durch die Verwendung von Optokopplern statt der sonst üblichen VCAs. Der Attack, also die Zeitspanne, wie schnell nach dem Anschlag der Kompressor anfängt zu arbeiten, ist dadurch etwas langsamer. Das macht ihn für schnelles "Chicken-Picking" oder ähnliches nur bedingt einsatzfähig. Er hat aber eine ganz eigene Wirkung, die mich sehr an den Orange Squeezer erinnert, obwohl dieser komplett anders aufgebaut ist. Durch den langsamen Attack, der übrigens nicht regelbar ist, kommen die Anschläge schön zur Geltung und mit dem Normal/Treble Umschalter kann man dem Sound noch einen kleinen Höhenkick geben, um ihn weiter in den Vordergrund zu bringen. Für Akkordbegleitung ist er wohl nicht die beste Wahl, da er zu undifferenziert an die Arbeit geht. Der von vielen Benutzern des CS-1 bemängelte Lautstärkeabfall, der auch bei voll aufgedrehtem Levelpoti auftritt, kann durch eine kleine Modifikation behoben werden. Für sein Alter hat er übrigens ein recht gutes, also geringes Rauschverhalten.

Boss CS-2 Compression Sustainer

Boss Compression Sustainer CS-2

Mit dem CS-2 brachte Boss den ersten Kompressor mit VCA-Steuerung auf den Markt. Er ist eine Weiterentwicklung des klassischen Schaltungsprinzips des MXR DynaComp mit zusätzlichem Attack-Regler und deutlich übersteuerungsfester. Leider wird er nicht mehr hergestellt. Im Vergleich zum Vorgänger ist der CS-2 vielseitiger verwendbar. Der Sound ist warm, ohne jedoch zu sehr einzufärben und das Nebengeräuschverhalten ist gegenüber dem Vorgänger besser. Die Handhabung ist sehr einfach, da die Regelbereiche gut auf die Belange von Gitarren abgestimmt sind. Die Ergänzung des DynaComp-Prinzips durch einen Attack-Regler macht CS-2 noch vielseitiger als das Vorbild. Für Bässe und für Instrumente mit aktiver Elektronik halte ich ihn jedoch nicht so geeignet. Er ist für mich einer der besten Allround-Kompressoren. Ich benutze Kompressoren für Gitarren gerne als Soundergänzungen, will sie also durchaus hören, wenn sie angeschaltet sind! Der CS-2 ist mein Tip für alle, die ausdrucksstarke Kompressor-Sounds mögen!

Boss CS-3 Compression Sustainer

Boss Compression Sustainer CS-3

Der Nachfolger des CS-2 geht über die gewohnten Möglichkeiten eines einfachen Kompressors hinaus. Die Regelbereiche sind sehr weit gesteckt und man kann von leichtem Limitereinstellungen bis hin zu schier endlosem Sustain alles mit dem CS-3 erreichen. Leider erkauft man sich letzteres mit einem deutlichen Rauschen. In den normalen Einstellungen, die in etwa einem CS-2 entsprechen, ist das Nebengeräuschverhalten jedoch als durchaus normal zu bezeichnen, wenn auch immer ein wenig schlechter als beim Vorgänger. Schön ist dagegen der zusätzlich vorhandene Tonregler, mit dem man den Effektsound abstimmen und so bei Bedarf weiter in den Vordergrund schieben kann. Insgesamt ist der CS-3 die vielseitigste Boss Kompressor, aber leider auch der unpersönlichste.

Loco Box CM-01 Compressor

Loco Box Compressor CM-01

Dies ist ein Loco Box Kompressor aus den frühen 80er Jahren und eine weitere Variante des MXR Dynacomp. Durch die Verwendung des CA3080 Chips, ist er mehr ein Klon des MXR, als es der CS-2 von Boss ist, der ja einen anderen Chip benutzt. Daher hat der Loco auch die gleichen Probleme mit starken Eingangssignalen, wie das Original. Mit seinen zwei Reglern ist er ein typisches Gerät für Gitarristen - also einfach zu bedienen. So fällt es nicht schwer, mit dem CM-01 gute Sounds einzustellen. Nach meinen Recherchen ist der CM-01 elektronisch baugleich mit seinem Vorgänger, dem "The Chocker" von Loco Box, der in der gleichen Gehäuseform wie mein 70er Jahre Echoes Analog Delay hergestellt wurde und inzwischen ein gesuchtes Gerät ist.

MEK Compressor CP-1

MEK Compressor CP-1

Der CP-1 ist schon ein ziemliches Referenzgerät, was einen amtlichen Compressor-Sound für die E-Gitarre angeht. Vorbilder für die Schaltung waren der MXR DynaComp und der fast baugleiche ROSS Compressor. Super einfach in der Bedienung und immer klar im Sound, stellt der CP-1 meiner Meinung nach sogar seine Vorbilder in den Schatten, wobei er mehr in Richtung MXR DynaComp tendiert. Im Innern finden sich beste Bauteile, wenn man von dem etwas anfälligen Fußschalter absieht. Er hat auch bei extremeren Einstellungen ein geringes Rauschen und ist einfach die etwas edlere Version des Originals. Mein Model ist noch aus der ersten Serie bei der die Beschriftung mit einer transparenten Folie aufgeklebt wurde. Die aktuellen Modelle sind deutlich robuster lackiert und haben glaube ich eine Siebdruckbeschriftung.

Okko Cocacomp

Okko Cocacomp

Der Cocacomp ist ein sehr einfach zu bedienender Kompressor, der auf optischer Basis arbeitet. Er verfälscht das Signal wenn überhaupt nur sehr wenig. Der Anschlag bleibt fast völlig erhalten und es wird hauptsächlich das Sustain verlängert. Daher trifft die Reglerbezeichnung Sing auch so wunderbar zu: die Gitarre singt einfach mehr.
Seit einiger Zeit habe ich den Okko bei mir auf dem Board und die Versuchung, ihn immer angeschaltet zu lassen, ist schon sehr groß, da er insgesamt sehr unaufällig arbeitet und das Signal irgendwie einfach nur mehr in den Vordergrund bringt. Auch bei extremen Einstellungen ist kaum ein Rauschen zu vernehmen. Wenn man den Charakter des Cocacomp mag, er liegt irgendwo zwischen einem Orange Squeezer und einem Dynacomp, ist es sicherlich eines der besten Geräte am Markt, ansonsten sollte man die Finger von ihm lassen, da er nicht sehr flexibel ist.

Orange Squeezer

DIY Orange Squeezer

In regelmäßigen Abständen kam mir immer mal wieder der Name Orange Squeezer unter. Als ich erfuhr, dass dieser Kompressor unter anderem von Jeff Baxter auf Steely Dan´s My Old School benutzt wurde, war klar, so einen brauche ich auch. Da Originale aus den 70ern schwer zu bekommen sind und astronomische Summen dafür verlangt werden, baute ich einen Orange Squeezer nach Plänen aus dem Internet nach.

Der Orange Squeezer beeinflusst je nach Einstellung hauptsächlich den Attack des Signals. Jeder Anschlag wird präzise und durchsetzungsfähig dargestellt. Wer wissen will, wie das klingt, der höre sich mal das erste Dire Straits Album an. Das Ausklingen wird dagegen nur wenig beeinflusst, es handelt sich also nicht um einen Sustainer! Vom Spielgefühl her könnte man sagen, es ähnelt dem eines Röhrenamps mit Gleichrichterröhre, dessen Endstufe in die Sättigung kommt. Die Bedienung ist denkbar einfach: Nur ein Regler für Volume und ein Trimpoti im Innern (das Original hatte nur Trimpotis), das war´s. Mit dem Trimpoti stimmt man den Kompressor einmalig auf die eigene Spielweise ab und kann es dann getrost vergessen. Außerdem fügt der Orange Squeezer in seiner Originalschaltung immer ein leichtes, kaum hörbares aber angenehmes Zerren hinzu, was genau seinen Sound ausmacht. Mit einer leichten Modifikation kann man dieses Zerren minimieren und so einen erstklassigen Cleansound erreichen.

Dual-Comp

DIY Dual-Comp

Was macht man, wenn der Platz auf dem Board beschränkt ist, man sich aber nicht zwischen zwei Geräten entscheiden kann? Man baut beide in ein Gehäuse! So entstand die Idee zu meinem Dual-Comp, der aus einem Orange Squeezer und einem Ross Kompressor besteht. Auf diese Weise habe ich die beiden klassischen Kompressorsounds abrufbereit zu meinen Füßen. Der Ross Kompressor ist in seiner Wirkungsweise dem DynaComp sehr ähnlich. Er färbt den Klang jedoch leicht ein, was zu einer etwas dunkleren Wiedergabe als beim DynaComp führt.

Da ich einen Kompressor eigentlich immer als erstes Gerät in der Effektkette habe (wenn man mal vom Wah-Pedal absieht), habe ich zusätzlich einen Eingangspuffer/Impedanzwandler integriert. Dieser liegt direkt am Eingang, also vor den beiden Kompressoren und kann bei Bedarf hinzugeschaltet werden. So sind auch bei einer längeren Effektkette, egal ob mit oder ohne True Bypass, keine gravierenden Soundverluste zu befürchten. Die Eingangsimpedanz habe ich in etwa wie bei einem üblichen Gitarrenverstärker ausgelegt.