Christoph Püchel

Overdrive

Boss OD-1 Overdrive

Boss Overdrive OD-1

Das ist der Vater aller Overdrives! Dieses Pedal war der erste Verzerrer, der ein weiches Clipping erzeugte, im Gegensatz zu den bis dahin erhältlichen Geräten, die das Signal allesamt hart begrenzten. Der OD-1 gehörte zu den drei ersten Pedalen, die Boss 1977 im heute immer noch aktuellen Bodentreterformat auf den Markt brachte. Er ist ein einfacher und sehr gut klingender Overdrive mit der Boss-typischen asymmetrischen Verzerrung.

Die erste Version hatte einen Quad-OP, der in der zweiten Version durch einen Dual-OP und zwei Transistoren ersetzt wurde. Diese Anordnung findet man heute in den üblichen Overdrives wie dem SD-1 oder auch dem Tubescreamer von Ibanez. Obwohl der Grundsound gleich ist, klingen die OD-1 aus der ersten Serie doch ein wenig frischer. Da mein OD-1 zu der zweiten Version gehört, habe ich mir von einem Freund einen aus der ersten Serie ausgeliehen und die beiden Schaltungen miteinander verglichen. Die Unterschiede liegen hauptsächlich in einigen Kondensatoren bzw. Widerständen und natürlich in der Verwendung des Quad-OP, wobei letzterer den geringeren Anteil an den Soundunterschieden hat. Nach dem Austausch einiger Bauteile und ein wenig Experimentieren mit verschiedenen Dual-OP konnte ich den Sound der ersten Version zu 99% erreichen.

Boss SD-1 Super Overdrive

Boss Super Overdrive SD-1

Mein SD-1 hat einiges durchmachen müssen. Er war der erste Verzerrer, den ich mir Mitte der 80er zulegte. Im Laufe der Zeit wurde er irgendwann durch andere Geräte ersetzt und lag jahrelang in der Schublade rum. Irgendwann entdeckte ich ihn wieder. Da ich ihn aber immer noch nicht zurück auf meinem Board haben wollte, wurde er zur Testplattform! Er war das erste Gerät, an das ich den Lötkolben ansetzte, um mal ein wenig mit verschiedenen Komponenten zu experimentieren.

Als Ibanez den OD-1 kopierte und ihn mit einer Tonblende versehen als Tubescreamer auf den Markt brachte, reagierte Boss mit dem SD-1. Im Vergleich zum Tubescreamer hat der SD-1 einen offeneren und dynamischeren Sound und die Tonreglung ist auch effektiver. Alles in allem ist er der flexiblere Overdrive, der mehr oder weniger einen OD-1 mit Tonregler darstellt. Zwar gibt es noch ein paar Unterschiede in der Signalführung, aber man kann einen SD-1 zu einem OD-1 modifizieren. Da beide Modelle in ihrem Aufbau recht ähnlich sind, geht das mit relativ geringem Aufwand. Mein SD-1 ist mit zwei unterschiedlichen Modifikationen versehen, die über einen Mini-3DPT Switch ausgewählt werden können. Sie machen den Overdrive luftiger in der Auflösung und vor allem in den niedrigen Gainbereichen feiner einstellbar.

Boss SD-2 Dual Overdrive

Boss Dual Overdrive SD-2

Wei der Name schon sagt, handelt es sich beim SD-2 um einen doppelten Overdrive, der zwei komplett voneinander unabhängigie und unterschiedliche Schaltkreise hat. Es ist also kein Overdrive, bei dem man bei Bedarf noch eine Booststufe hinzuschalten kann, man hat vielmehr zwei verschiedene Verzerrer in einem Gehäuse.

Der Crunch Channel erzeugt einen sehr schön offenen Sound, der im Vergelich zu den üblichen Overdrives direkter und nicht so eingeengt wirkt. Im Leadmodus erhält man einen durchsetzungsfähigen und durch die effektive Klangreglung auch gut abstimmbaren Solo-Sound, den man auch als Allround-Sound bezeichnen könnte. Allround klingt prinzipiell nach Vorteil, hat aber in meinen Ohren auch den Nachteil, dass es ihm ein wenig an Persönlichkeit mangelt. Es klingt eben recht austauschbar. Trotzdem werden die Unterschiede von verschiedenen Gitarren oder Pickups noch ausreichend gut übertragen. So eignet sich der SD-2 gut für Sessions, bei denen man nicht genau weiß, in welche Richtung es gehen wird. Ob Blues, Rock oder auch härtere Gangarten, man kriegt fast alles hin. Warum Boss ihn nicht mehr herstellt, habe ich nie verstanden, denn meines Wissens nach bietet auch kein Konkurrent ein vergleichbares Gerät an.

Dean Markley Overlord

Dean Markley Overlord Classic Tube Overdrive

Es gibt zwei verschiedene Versionen des Overlord, eine einfache mit OP-Schaltung und einfacher Klangregelung und die Röhrenversion mit einer vollwertigen Dreiband-Klangregelung. Letztere ist hier beschrieben.

Im Innern arbeitet eine echte Vorstufenröhre vom Typ 12AX7, die jedoch nicht mit Hochspannung, sondern nur mit 12 Volt betrieben wird. Zu diesem Zweck hat der Overlord ein fest installiertes Netzkabel und wird direkt an die Steckdose angeschlossen, ein extra Netzteil ist also nicht notwendig. Die Röhre kann zum Soundexperimentieren ohne Probleme mit jeder anderen Röhre aus der 12A.. Klasse ausgetauscht werden. So ergibt sich z.B. Mit einer 12AU7 ein sehr schöner weicher Overdrive, während man mit der serienmäßigen 12AX7 der Overlord einen sehr überzeugenden alten Marshallsound erzeugen kann. Der Sound ist durch die sehr effektive Dreiband-Klangregelung recht flexibel, die übrigens so arbeitet, wie man es von echten Röhrenamps gewohnt ist, dass heißt, vor allem der Höhen- und der Mittenregler beeinflussen sich gegenseitig.

MEK Tubedrive TD-1

MEK Tubedrive TD-1

Der TD-1 ist ein TS-808 Klon. Der Sound lässt sich am besten mit "So nah dran, als wäre man da" beschreiben. Damit bei ihm möglichst alles wie beim Original ist, ist ein JRC 4558D Chip eingebaut. Für mich ist der TD-1 einer der besten Overdrives aus der Tubescreamer-Familie, den ich je unter die Füße bekam! Eigentlich mag ich ihn sogar noch mehr, als seinen großen Bruder, den TD-2. Er klingt sehr warm und dynamisch und ist bestens zum "Anblasen" eines Röhrenverstärkers geeignet. Der Sound ist irgendwie bluesig-edel und bleibt immer sehr harmonisch. Die Verzerrung lässt sich sehr gut mit der Anschlagsstärke bzw. dem Volumenpoti kontrollieren.

Mein Model ist noch aus der ersten Serie bei der die Beschriftung mit einer transparenten Folie aufgeklebt wurde. Abgesehen vom "Mojo" eines alten TS-808 hat der TD-1 alles, was ein Tubescreamer haben muss. Wenn es nur um den Sound, liegt man mit dem TD-1 genau richtig. Hey, das Original ist auch nur ein Overdrive ;)

MEK Tubedrive TD-2

MEK Tubedrive TD-2

MEK bezeichnet den TD-2 als großen Bruder des TD-1. Angesichts des Sounds und der Möglichkeiten, die dieses Gerät bietet, kann ich dem jedoch nicht zustimmen. Im TS-Mode sind zwar Ähnlichkeiten im Sound vorhanden, im Detail klingt er aber alleine schon durch die asymmetrische Verzerrung anders als der TD-1. Und dann kommen ja noch die Distortioneinstellungen dazu. Die aktuellen Modelle sind hellblau lackiert und haben auch nicht mehr die Folienbeschriftung, sondern eine lackierte Beschriftung.

Es sind grundsätzlich drei Modi einstellbar: Soft - eine TS-mäßige Overdriveschaltung mit Siliziumdioden, Hard - eine typische Distortion-Clippingbridge mit Germaniumdioden und Boost als nicht verzerrenden aber fein regelbaren Booster. Die Verzerrung ist sowohl in der Overdrive- als auch in der Distortionschaltung asymmetrisch mit jeweils drei Dioden ausgelegt. Durch einen zusätzlichen schaltbaren Booster sind alle Modi zweistufig abrufbar. Außerdem sind verschiedene Klangcharakteristiken für den Overdrive und die Arbeitsweise des Tonreglers und die Resonanzfrequenz über DIP-Schalter im Innern des Gerätes vorwählbar. Dadurch wird der TD-2 zu einem, dem eigenen Geschmack anpassbaren und vielseitigen Overdrive- bzw. Distortion-Pedal.

Okko Diabolo Gain+

Okko Diablo Gain+

Mit dem Diablo kann man perfekt mit der Anschlagsstärke und dem Volumenpoti arbeiten und er überträgt alle Nuancen des Spiels. Kein Mittenmulm, keine störende Kompression, es bleibt einfach alles vom Spiel erhalten - nur eben nach Wunsch verzerrt. 

Je nach Einstellung und Spielweise klingt er mal mehr nach Overdrive à la Tubescreamer oder eben auch mal mehr in Richtung MXR Distortion. Immer aber klingt er besser. Die Ausführung als Gain+ hat einen zweiten Gainregler, mit dem man quasi ein weiteres Preset für diese Einstellung zur Verfügung hat. Neben dem Tonregler, der nicht einfach nur alles dumpf regelt, sondern wirklich über den gesamten Regelweg brauchbar ist, gibt es noch einen Feed und einen Body Regler. Feed steuert die Stärke des Signals am Eingang und hat starken Einfluss auf den Bassgehalt an dieser Stelle, während Body am meisten auf den Mittenbereich wirkt. Feinabstimmungen lassen sich durch interne Trimpotis für Bass und Presence einstellen. Und als würde das alles noch nicht reichen, kann man auch noch wählen, ob das Gerät intern mit 9V oder 18V Betriebsspannung arbeitet, was einen großen Einfluss auf das Dynamikverhalten den Diablo hat.

Panther OD-30 Overdrive

Panther Over Drive OD-30

Panther ist wohl eine eher unbekannte Firma. Sie stellte auch nicht selber die angebotenen Effekte her, sondern ließ sie vom selben Hersteller bauen, der auch die Loco Box Effekte u.a. zusammensetzte. Die Schaltung des OD-30 könnte man als Mischung aus einem OD-1 von Boss und einem Distortion+ von MXR beschreiben, wobei die Art der Erzeugung des Clippings dem des OD-1 entspricht, also typisch für einen Overdrive ist. Das Drivepoti regelt das zurückgekoppelte Signal über ein R-C-Glied auf Masse, genau wie beim MXR Distortion+. Das hat zur Folge, dass die Höhenwiedergabe vom Grad der Verzerrung abhängig ist. Meiner Meinung nach eignet sich dieser Overdrive in erster Linie für Singlecoils, denn mit Humbuckern, speziell in der Halsposition, ist es einfach zu dumpf. Ansonsten ist es aber ein durchaus brauchbarer Verzerrer, der sehr warm und sahnig klingen kann ... wenn nur nicht dieses hässliche Gehäuse wäre!

Wer mehr über andere Overdrives wissen möchte, kann sich ja mal auf guitartest.de umschauen. Dieter Stenzel hat sich die Mühe gemacht und den wohl umfangreichsten Overdrivetest der Geschichte zusammengestellt!