Christoph Püchel

Modulation

Boss CE-2 Chorus

Boss Chorus CE-2

Diese baby-blaue Kiste ist eines der besten Choruspedale und ein wirklicher Klassiker. Bei eingeschaltetem Effekt wird das Originalsignal ein wenig geboostet, was die Gitarre, wenn man sich erst mal daran gewöhnt hat, angenehm in den Vordergrund bringt. Der Grundsound ist warm und klingt immer sehr harmonisch und rund. Mit den zwei Reglern ist es praktisch nicht möglich, einen schlechten Sound einzustellen.

Mein CE-2 ist aus der ersten Serie mit Metalschraube und 1979 hergestellt worden. Angeblich soll es sich um die am besten klingenden Modelle handeln. Bei mehreren Vergleichen mit ebenfalls in Japan produzierten CE-2 aus späteren Serien habe ich allerdings keinen nennenswerten Unterschied gehört. Die Schaltung ist auch über die gesamte Produktionszeit identisch geblieben. Nur die Zulieferer der Bauteile haben sich wohl geändert. Wie es sich mit den vereinzelt auftauchenden Modellen aus taiwanesischer Fertigung verhält, weiß ich nicht, da ich noch keinen solchen CE-2 in die Finger bekommen habe. Es sollte mich aber wundern, wenn sie deutlich anders klingen würden.

Boss CE-3 Chorus

Boss Chorus CE-3

Der CE-3 wird allgemein gerne als Stereoversion des CE-2 beschrieben. Das stimmt aber nicht, denn die Schaltung ist anders und basiert auch auf einem anderen BBD-Chip. So sind beide Modelle im Grundsound zwar ähnlich, aber das Modulationsverhalten des CE-3 ist längst nicht so rund und organisch wie bei seinem älteren Mono-Bruder. Alles in allem würde ich sagen, der CE-3 eignet sich besser für stark effektbeladene cleane Chorussounds, wie man sie oft in den 80ern hörte.

Die Möglichkeit, zwischen zwei verschiedenen Modi umzuschalten, macht dieses Modell natürlich ein ganzes Stück flexibler, als den CE-2. Es gibt einen Mono-Modus, bei dem an den beiden Ausgängen das gleiche aber um 180° phasenverdrehte Signal anliegt. Im Stereo-Modus wird über einen Ausgang nur das Effektsignal und über den anderen das trockene Signal ausgegeben. Das ist in etwa die Art der Wiedergabe, wie man sie beim Roland Jazz-Chorus JC-120 findet. Mit diesem Amp wurde Ende der 70er Jahre der Chorus-Effekt populär. Der CE-3 ist definitiv kein Ersatz für den CE-2, aber eine gute Alternative bzw. Ergänzung.

Boss CH-1 Super Chorus

Boss Super Chorus CH-1

Ich habe den CH-1 vor ein paar Jahren schon mal besessen. Im direkten Vergleich mit meinem CE-2 fand ich ihn aber immer ein wenig unpersönlich und langweilig. Später beschloss ich ihm eine zweite Chance zu geben und tatsächlich finde ich ihn heute nicht mehr so schlecht. Er hat zwar nicht ganz den Charakter des CE-2 und wird bestimmt auch nicht so ein Klassiker werden, aber insgesamt ist es ein sehr guter analoger Chorus, den man von subtil bis deutlich hörbar einstellen kann. Vor allen Dingen rauscht er sehr wenig und der Mix-Regler macht ihn flexibler als viele andere Chorus Pedale.

Zu erwähnen ist jedoch, dass all das oben geschriebene nur für die CH-1 gilt, die vor Oktober 2001 hergestellt worden sind. Ab diesem Zeitpunkt nämlich änderte Boss ohne weitere Erwähnung den Schaltkreis von analog auf digital. Ich kann nicht sagen, ob dies gut oder schlecht war, denn bisher habe ich noch keinen der aktuellen CH-1 hören geschweige denn mit meinem analogen Modell vergleichen können.

Boss TR-2 Tremolo

Boss Tremolo TR-2

Auf meiner Suche vor einigen Jahren nach einem guten Tremolo, hatte ich auch das TR-2 getestet, konnte mich aber nicht richtig zu einem Kauf entscheiden, weil dem Sound irgend etwas fehlte. Vor allen Dingen der Lautstärkeabfall bei eingeschaltetem Effekt und die etwas bedämpfte Höhenwiedergabe haben mich gestört. Da jedoch die eigentliche Tremolofunktion sehr organisch und gut abstimmbar ist, lohnte sich ein genauerer Blick ins Innere. Das Ergebnis ist ein Tremolo, das, wenn ich es mir vorher angesehen hätte, den Bau des Tremulus Lune wahrscheinlich überflüssig gemacht hätte. Wie so oft bei Boss Pedalen, stimmt die Basis und man muss eben nur ein wenig Feinabstimmung betreiben, um ein wirkliche gutes Arbeitsgerät zu bekommen!

Digitech Turbo Flange

Digitech Turbo Flange Stereo Flanger

Ehrlich gesagt, wenn ich diesen Flanger nicht als Rausschmissware in einem Geschäft für einen super Niedrigpreis gefunden hätte, wäre ich nicht auf die Idee gekommen, mir ein Digitech Gerät aus der X-Serie zu kaufen. Warum? Weil es sich bei der X-Serie ausschließlich um digitale Modelle handelt, die außerdem einen extremen Batteriehunger haben. Eigentlich akzeptiere ich nur bei Delays und Hallgeräten einen digitale Soundbearbeitung. Aber ich bin ehrlich gesagt recht überrascht gewesen, als ich den Turbo Flanger das erste Mal anschloss. Ok, er hat einfach nicht die warme Tiefe und die homogene Modulation eines analogen Flangers, aber dafür klingt er sehr klar, ich möchte fast sagen präzise und vielleicht auch ein wenig steril. Da ich für die warmen und "einschmeichelnden" Sounds sowieso lieber Chorus oder Phaser einsetze, ist das aber ziemlich egal. Im Gegenteil, es ist hier sogar von Vorteil, den dieser Flanger wird bei mir für die extremeren und abgefahrenen Soundexperimente eingesetzt. Vor allem der Stepmodus ist klasse, in dem die Modulationskurve in einzelne, zufällig ablaufende Schritte zerhackt wird.

EH Wiggler

Electro Harmonix The Wiggler

Groß und unpraktisch, weil mit einem extra Netzteil zu betreiben, aber soundmäßig über jeden Zweifel erhaben - so würde ich mal zusammenfassend den Wiggler von Electro Harmonix beschreiben. Zwei Elektronenröhren verrichten hier ihren Dienst und die Modulation von Tremolo und Vibrato sind wirklich erste Sahne und gehören bestimmt zum Besten, was man sich vor die Füße legen kann. Eigentlich brauchte ich nur ein gutes Tremolo, fand aber bald heraus, dass man mit der Vibratoeinstellung sehr tiefe und ausdrucksstarke Sounds erzeugen kann. Leider konnte ich mich auf Dauer mit der enormen Größe des Wiggler nicht anfreunden, weswegen er bei mir in Ungnade fiel und vom Board verbannt wurde.

Ibanez Bi-Mode Chorus BC-9

Ibanez Bi-Mode Chorus BC-9

Auch dieser Chorus ist vollständig analog aufgebaut. Es handelt sich praktisch um zwei Geräte in einem Gehäuse mit je einem Speed und einem Width Regler. Dadurch sind sehr tiefe und spektakuläre Sounds möglich, aber auch dezente Einstellungen können überzeugen. Ich kann mich erinnern, vor Jahren mal einen BC-9 getestet zu haben, bei dem die beiden Choruseinheiten leicht unterschiedlich im Klang und der Modulationsgeschwindigkeit waren. Bei diesem Gerät klingen beide Einheiten gleich und auch die einstellbare Modulationsgeschwindigkeit ist dieselbe. Im Vergleich mit den beiden zuvor beschriebenen Boss Geräten, klingt der BC-9 irgendwie brillanter und etwas härter, was ihn für starke Effektsounds prädestiniert. Insgesamt klingt er ein wenig metallisch.

Ibanez Phase Tone PT-909

Ibanez Phase Tone PT-909

Seit Jahren war ich auf der Suche nach einem bestimmten Phaser-Sound und habe wirklich alles probiert, was mir unter die Füße kam. Allerdings konnte ich einfach nicht das finden, was ich suchte, nämlich einen weichen und runden und eher unaufdringlichen Phase-Sound. Dann bekam ich von einem Freund diesen alten Ibanez PT-909 angeboten, den er nicht mehr brauchte. Nach einem kurzen Check war der Fall klar. Da war er, der von mir gesuchte warme und dezente Sound, der so ein schönes Schimmern auf den Klang der Gitarre legt. Mein Traumphaser! Ich schalte den Phaser übrigens gerne auch mal vor die dynamischen Effekte im Signalweg, also zwischen Wah und Kompressor. Der Grund hierfür ist die Ausblendung bzw. Betonung verschiedener Frequenzen im Verlauf der Modulation, die vor allen Dingen in Kombination mit Verzerrern sehr unangenehm bis unkontrollierbar werden können, wenn der Phaser erst später in der Kette liegt.

Line6 Roto Machine

Line 6 Roto Machine

Auf den Sound einer durch ein Leslie-Cabinett gespielten Gitarre stehe ich praktisch, seit ich anfing selber Gitarre zu spielen. Das liegt wahrscheinlich an meiner immer noch anhaltenden Vorliebe für die Musik der späten Beatles. George Harrisons Solo in Let It Be ist einfach Weltklasse!

Die Roto Machine macht genau das, was ihr Name vermuten lässt, sie simuliert die Wiedergabe von rotierenden Lautsprechern. Zur Verfügung stehen drei verschiedene Simulationen, zwei Leslie Modelle und das Vibratone von Fender. Es sind zwei frei einstellbaren Rotationsgeschwindigkeiten per Fußschalter abrufbar. Die Anlauf- und Abbremsgeschwindigkeit kann in drei Stufen vorgewählt werden. Über einen Balanceregler wird der Hoch- bzw. Tieftonanteil im Sound stufenlos geregelt und zusätzlich ist noch ein Overdrive eingebaut, der die Übersteuerung eines Leslie simuliert. Allerdings nehme ich für übersteuerte Sounds lieber ein extra Pedal. Alles in allem ist das Pedal ein sehr schöner Ersatz für das leider teure, schwere und kaum zu findende Original. Apropos schwer: Das Line6 Pedal ist so ziemlich das schwerste Pedal in dieser Größe, dass mir bisher untergekommen ist!

Panther CH-70 Chorus

Panther Chorus CH-70

Panther ist wohl eine eher unbekannte Firma. Sie stellte auch nicht selber die angebotenen Effekte her, sondern ließ sie vom selben Hersteller bauen, der auch die Loco Box Effekte u.a. zusammensetzte. Beim Stöbern bei Ebay stieß ich auf den CH-70, der mir aufgrund seiner Gehäuseform doch recht ähnlich den Loco Box Effekten aus den 80ern zu sein schien. Nachdem ich den Chorus erhalten hatte, bestätigte ein Blick ins Innere meine Vermutung. Die Bauweise entspricht genau der des Echoes Analog Delays von Loco Box.

Ansonsten handelt es sich um einen sehr gut klingenden analogen Chorus aus den späten 80er Jahren. Er hat einen zusätzlichen Ausgang, an dem das unbearbeitete Signal einfach vom Eingang durchgeschliffen wird, also ohne mit der Effektelektronik in Berührung zu kommen. Der Sound liegt in etwa zwischen dem BC-9 und dem CE-2, wobei er die Modulationsart vom Ibanez und die Wärme des Boss hat. Eigentlich wollte ich ihn als Versuchsplattform für meine Soundexperimente mit Chorusschaltkreisen missbrauchen, aber dafür klingt er einfach zu gut! Vor allen Dingen nach einem gut verzerrenden Distortion ist der Chorus ein Hammer. Hinzu kommt noch, dass er auch äußerlich in einem fast neuwertigen Zustand ist. Viele Füße hat er jedenfalls nicht gesehen. Daher belasse ich ihn so wie er ist und werde wohl den etwas mühsameren Weg gehen und mir einen Versuchs-Chorus selber zusammenlöten.

Redson Phaser 12

Redson Phaser 12

Redson ist eine Weitere Marke, die aus der gleichen Produktion wie die Geräte von Loco Box und Panther kommt.

Beim Phaser 12 handelt es sich um ein einfach zu bedienendes Pedal, dass in Geschwindigkeit und Effekttiefe geregelt werden kann. Der Phasereffekt ist nicht sehr dramatisch aber dafür schön rund und warm. Insgesamt verliert das Signal ein wenig an Höhen oder auch Brillanz. Technisch handelt es sich um einen 4-Stage Phaser, wodurch er meiner Meinung vorzugsweise nach für 70er Jahre Vintage-Sounds geeignet ist. Wer tiefe und dramatische Soundverfremdungen sucht, sollte ein anderes Gerät einsetzen.

T.C. Electronic Chorus

T.C. Electronic SCF Chorus

Das ist mein persönlicher Lieblings-Chorus. Der SCF hat einen sehr cleanen Chorus-Sound von einer Qualität, die ich noch von keinem anderen Bodeneffekt-Chorus gehört habe. Wenn auch nicht ganz so warm im Klang wie der CE-2, merkt man doch sofort, dass es sich hier um ein Analoggerät handelt. Es sind sehr feinfühlige Einstellungen möglich, wodurch er sich auch sehr gut für Akustikgitarren und Basssounds eignet. Überhaupt ist es eines der unaufdringlichsten Choruspedale, die ich kenne. Der Effekt wird nicht einfach oben auf das Originalsignal gesetzt, sondern verbindet sich perfekt mit ihm. Nicht unbedingt für dramatische Effekte geeignet, dafür aber umso mehr für die Prise Salz im Sound. Die ebenfalls möglichen Flanger- bzw. Vibratosounds haben auch ihren Reiz. Besonders die Soundmöglichkeiten des Pitch Modulator benutze ich gerne für leslie-ähnliche Effekte.

Tokai TFL-1 Flanger

Tokai Flanger TFL-1

Mit dem TFL-1 bekommt das Wort "Kopieren" eine neue Dimension. Dies ist eine praktisch 100%ige Kopie des Boss Flangers BF-2! Angefangen vom Platinenlayout über die DC-Buchse und den elektronischen Schalter, bis hin zur gleichen Spannungskorrektur wie bei den alten Boss Geräten, die mit dem ACA-Netzteil betrieben werden müssen, ist hier alles gleich. Und der Sound? Ich habe zur Zeit keinen original BF-2 zur Verfügung, aber aus der Erinnerung heraus würde ich sagen, dass auch der Sound praktisch der gleiche ist. Er ist warm, tief modulierend und immer angenehm, eben einfach organisch. Mit den üblichen Einstellparametern sind Sounds vom leichten Chorus bis zu den typischen Jet-Klängen zu erreichen. Ich weiß nicht, ob die anderen Modelle aus dieser Serie von Tokai auch so freche Kopien sind, aber dieses Modell ist auf jeden Fall eine preisgünstige Alternative zum Original, wenn man es irgendwo gebraucht ergattern kann.

4ms Tremulus Lune

DIY 4ms Tremulus Lune

Da ich abgesehen vom Wiggler einfach kein Tremolopedal finden konnte, dass mir wirklich gefiel, ich aber auf meinem Board Platz sparen wollte, habe ich mir mein Traum-Tremolo nach einem Schaltplan von Dann Green selber gebaut! Der Tremulus ist zwar etwas komplizierter zu bedienen, als ein normales Tremolo mit den üblichen zwei Reglern Rate und Depth, aber dafür kann man den Sound sehr gut dem eigenen Geschmack anpassen. Sehr wichtig in diesem Zusammenhang ist der Shape-Regler für die Form der Modulationskurve. Endlich habe ich ein Tremolo, dass sich gut in mein bestehendes Pedalboard mit den üblichen 9V-Geräten integrieren lässt und einen richtig charaktervollen Tremolosound liefert.

Voodoo Lab Analog Chorus

Voodoo Lab Analog Chorus

Voodoo Lab ist ein Spezialist in Sachen Wiederauflagen von legendären Effekten. So auch beim Analog Chorus, der den Sound eines Boss CE-1 perfekt nachbildet, ohne die Nachteile des Originals zu haben. Diese sind vor allem eine für Gitarren schlechte Eingangsimpedanz, die das Signal zu sehr belastet und die eingeschränkte Regelmöglichkeit durch den nur vorhandenen Intensity Regler. Der Voodoo Lab Analog Chorus hat zwar auch nur zwei Regler, Intensity und Speed, aber die reichen auch aus. Außerdem wird er normal mit 9V betrieben, daher kann man ihn mit jedenm üblichen Netzteil mit Strom versorgen.

Häufig liest man von einem Volume Boost, wenn man das Gerät einschaltet, was auch stimmt. Ob einen das stört oder nicht, ist Geschmackssache und hängt sicherlich auch von der Art des Einsatzes ab. Der Sound ist jedenfalls ein wunderbarer, warmer, wabbernder Chorussound mit eindeutigem Vintage-Flair, der meiner Meinung nach mit keinem anderen Chorus zu vergleichen ist - außer natürlich mit dem des CE-1. Bei schnelleren Einstellungen kann man mit dem Analog Corus auch sehr gut Leslie Sounds simulieren, während langsame und tiefe Sounds schon fast etwas von einem Flager- oder Phasercharakter haben.

Auch wenn man den Chorus-Effekt vor allem mit dem 80ern in Verbindung bringt, so sollte man bei diesem Gerät mehr an die 70er denken, dem Jahrzehnt, in dem der Chorus das Licht der Welt erblickte.

Voodoo Lab Micro Vibe

Voodoo Lab Micro Vibe

Und noch eine Wiederauflage: das Micro Vibe ist eigentlich ein UniVibe. Ebenso wie das Original wird hier die Modulation mit einem Schaltkreis realisiert, dessen Herz eine Glühlampe ist, die für die so charakteristische Wellenform sorgt. Mit dem Micro Vibe ist es sehr einfach, diesen typischen cleanen David Gilmour Sound hinzubekommen. Ein Effekt, der meiner Ansicht nach perfekt zum Neck Pickup einer Strat passt; total cool.

Leider ist bei diesem Gerät ein deutlicher Schaltknacks beim An- oder auch Ausschalten zu hören. Hier handelt es sich auch um eines der neueren Modelle von Voodoo Lab mit LED, obwohl ich nicht weiß, ob das damit zusammen hängt. Beim spielen fällt es dann aber doch nicht so sehr auf.