Christoph Püchel

Delay

Boss DD-20 Giga Delay

Boss Giga Delay DD-20

Lange Zeit habe ich ein DD-5 Digital Delay von Boss benutzt und alles, was mir an dem Gerät fehlte, war eine Speichermöglichkeit von zwei oder drei Einstellungen. Daher war das Erscheinen des DD-20 eine angenehme Überraschung.

Mit seinen vier Speicherplätzen und noch einigen anderen Features mehr, hat es vieles, was für einen Delayfan wie mich nützlich ist. Die Delayzeit von 23 Sekunden(!) ist mehr als ausreichend und die Loopfunktion ist ein nettes Add-On. Die Sounds der zur Verfügung stehenden Delaytypen ist durchweg als sehr gut zu beschreiben. Die aktuellen A/D bzw. D/A Wandler sind ausgezeichnet und reichen meiner Meinung nach für den Dynamik- und Frequenzbereich einer Gitarre voll aus. Selbst das Standard-Delay klingt alles andere als steril und überträgt einfach nur sauber das, was reinkommt. Ferner bietet es noch jeweils eine Analog- und eine Tape-Delay Einstellung, die auch überzeugen können. Ein echtes Brot & Butter Delay mit ein bisschen mehr Funktionen!

Boss RE-20 Space Echo

Boss Space Echo RE-20

Wenn die Simulation eines Tape-Delays beim DD-20 schon erstaunlich sind, so setzt das RE-20 eins drauf. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn hier ist eine solche Simulation keine Funktion unter vielen, sondern Programm!

Das RE-20 ist sozusagen die digitale Wiedergeburt des RE-201 Space Echo, eines beliebten und gesuchten Tape-Delays, das 1974 auf den Markt kam. Die spezifischen Eigenschaften eines Delays auf Basis eines Tonbands werden vom RE-20 in jeder Hinsicht sehr gut wiedergegeben. Mit einem Input Volume Regler lässt sich sogar bei entsprechender Aussteuerung der Effekt der Bandsättigung erzeugen. Des weiteren hat es praktisch alle Einstellungsmöglichkeiten des Originals, also verschiedene Kombinationen der drei (virtuellen) Tonköpfe, sich aufschaukelnde Oszillation bei entsprechender Einstellung der Feedback und Effektlevel Regler und natürlich auch den Spiralfederhall. Der ist zwar nicht mit einem Fender Hall zu vergleichen, aber als zusätzliche Option für mehr Klangfülle ist er ganz gut geeignet. Im Gegensatz zu den anderen Twin Pedalen von Boss, bietet das RE-20 Space Echo keine Speichermöglichkeiten, was ich für einen klaren Nachteil halte. Ein Vorteil wiederum ist die Möglichkeit, bestimmte Parameter über ein externes Pedals zu steuern und so während des Spielens einige abgedrehte Sounds zu erzeugen.

Wie nah man mit dem RE-20 dem Original gekommen ist, kann ich mangels direktem Vergleich nicht beurteilen. Jedoch hat das RE-20 einen so eigenständigen Charakter und es bietet so herrliche Möglichkeiten für Soundexperimente, dass ich es trotz des DD-20, dass ja eigentlich ein sehr komplettes Paket bietet, haben wollte. In der letzten Zeit höre ich öfter, dass das RE-20 angeblich auch in deaktiviertem Zustand den Sound negativ beeinflussen soll. Das kann ich nicht bestätigen. Sehr wohl sollte man es aber mit einem separaten Netzteil betreiben. Ich will jetzt hier keine Abhandlungen über analoge und digitale Geräte und deren Betrieb am gleichen Netzteil mit gemeinsamer Masse schreiben. Aber es empfiehlt sich generell, bei digitalen Geräten ein wenig mehr auf deren Stromversorgung zu achten.

Loco Box Echoes Analog Delay

Loco Box Echoes Analog Delay

Auch wenn es manchem merkwürdig vorkommt, das einzige, was ich an Analog Delays wirklich mag, ist ihr warmer Sound. Ohne Tap-Funktion, Speichermöglichkeiten und ihren kurzen Verzögerungszeiten waren und sind diese Geräte für mich leider immer eher nutzlos. Daher habe ich mich auch nie überwinden können, mir eins für die heute üblichen hohen Gebrauchtpreise zu kaufen. Das folgende Gerät war einfach ein Glückstreffer.

Das Delay lag defekt bei einem Händler und so habe ich es günstig erstanden und repariert. Beim darauffolgenden Antesten zeigte sich, dass es klanglich in seiner Qualität den legendären Analogdelays von Ibanez und Boss absolut ebenbürtig ist. Tatsächlich hat der Schaltkreis des Loco Box Echoes sehr viel Ähnlichkeit mit dem des DM-2 von Boss. Es wurde in den 70ern in Japan von einem Hersteller produziert, der auch für andere Marken tätig war und mehr oder weniger direkt auch mit Maxxon in Verbindung steht. So sind z.B. der Panther Chorus CH-70 und der Panther Over Drive OD-30 aus dem gleichen Werk. In den 80er Jahren stellte man die Loco Box Effekte mit schwarzen Gehäuse her und sie bekamen unpersönlichere Namen, wie z.B. beim Loco Box Compressor CM-01. Schade, denn die knallig lackierten Gehäuse der früheren Modelle haben schon etwas besonderes.