Christoph Püchel

Amps

Emotional Amps Bassman Logo

Die zweite Hälfte

Wie wohl die meisten Gitarristen, so bevorzuge auch ich Röhrenverstärker. Natürlich gibt es heutzutage sehr gute Transistorgräte und in den letzten Jahren kamen ja auch noch die sogenannten Modeling-Amps dazu. Aber ob nun subjektiv oder nicht, ich finde, dass sich ein Röhrenamp immer noch am besten anhört - und auch anfühlt. Ja, richtig gelesen, Röhrenverstärker fühlen sich beim Spielen anders an!

Das Instrument E-Gitarre besteht im Wesentlichen aus zwei Hälften: der Gitarre und dem Verstärker. Der Verstärker hat einen ebenso großen Anteil und Einfluss auf den Sound, wie die Gitarre. Daher war es ähnlich schwer, den richtigen Verstärker für mich zu finden, wie die richtige Gitarre. Ich habe im Laufe der Zeit viele Verstärker besessen, zeitweise auch mehrere gleichzeitig. Darunter befanden sich sowohl recht einfache Amps wie z.B. ein Fender Princeton aus den 70ern oder ein Music Man, aber auch moderne Modelle wie der Hughes & Kettner Tube 50 mit MIDI-Interface, Einschleifweg und so weiter.

Jedoch tendierte ich schon immer mehr zu den Fender-artigen Verstärkern und im Gegensatz zu den Gitarren hat sich bei den Verstärkern an meiner Vorliebe für Fender (bisher) nichts geändert. Am Ende bin ich dann für lange Zeit bei einem von der Austattung her sehr spartanischen Amp gelandet. Er hat nicht mal einen eingebauten Federhall, aber dafür Ton ohne Ende! Seit einiger Zeit spiel ich jedoch einen Mesa Boogie Mark IV, vielleicht einfach nur, um nach über zehn Jahren mal wieder neues Terrain zu erkunden.

Fender 59 Bassman Reissue

Fender `59 Bassman Reissue

Der Bassman ist ein essenzieller Teil meines Equipments. Er ist die Basis, auf der ich meinen Sound aufbaue. Es handelt sich hier um eine mehr oder weniger originalgetreue Wiederauflage des Modells aus den späten 50er Jahren, das die Vorlage für die ersten Marshall Amps bildete. Ursprünglich war er als Bassverstärker konzipiert (der Name sagt es ja schon), aber es waren Gitarristen und Bluesharp Spieler, die ihn für sich entdeckten und zur Legende machten!

Obwohl es sehr bequem ist, einen Amp mit drei Kanälen, Einschleifweg, Hall und so weiter zu haben, habe ich die Erfahrung gemacht, dass Amps umso ehrlicher klingen, je einfacher ihre Schaltung ist. Der Bassman ist solch ein Amp. Er hat einen sehr direkten Sound, der nichts beschönigt. Die Ansprache ist unheimlich schnell und man hat das Gefühl, direkt mit den Lautsprechern verbunden zu sein. Hinzu kommt, dass sich der Amp sehr gut mit Effektpedalen verträgt. Irgendwie klingen meine ganzen Trampelkisten mit diesem Amp besser, als mit anderen Amps. Man sollte ihn allerdings nicht mit irgendwelchen Ton-Killern vergewaltigen. Sehr empfehlen kann ich ein gutes Overdrivepedal, mit dem man den Bassman so richtig schön zum Singen bringen kann. Durch die 4x10" Lautsprecherbestückung entwickelt er einen sehr räumlichen Sound. Die Schaltung ist komplett auf Röhren aufgebaut, hat keinen Vibrato- oder Halleffekt und auch keinen Einschleifweg. Ein Amp ohne Schnörkel eben.

Mesa Boogie Mark IV

Mesa Boogie Mark IV

Zum Mark IV habe ich eine sehr lange Beziehung, auch wenn ich ihn noch gar nicht so lange besitze.

Als der Amp 1990 auf den Markt kam, war ich schwer beeindruckt von seinen Möglichkeiten, traute mich aber irgendwie nie, ihn mal ausgiebig zu testen. Der Preis schloss einen Kauf sowieso aus. Da er mir aber all die Jahre nicht aus dem Kopf ging, habe ich dann doch vor einiger Zeit einen gebrauchten Mark IV gefunden und gekauft.

Der Mark IV ist konzeptionell das komplette Gegenstück zum Bassman. Er ist sehr komplex aufgebaut und bietet sehr viele Möglichkeiten, den Sound den eigenen Wünschen anzupassen. Man liest viel über die vermeintliche Unübersichtlichkeit des Amps und dass es schwer sei, schnell einen guten Sound zu finden. Das ist auch nicht überraschend, denn man kann natürlich auch viel falsch machen bei diesem Amp. Das passiert z.B. bei einem Plexi oder einem Bassman eher nicht, weil sie eben nur diesen einen Grundsound haben. Und wenn man diesen Sound mag, kann man diese Amps eigentlich gar so einstellen, dass sie schlecht klingen.

Hier geht es jedoch um ein komplett anderes Konzept. Amps wie der Mesa Boogie Mark IV sind sehr vielseitig und lassen die verschiedensten Soundeinstellungen zu. Der Mark IV hat für jeden Kanal eine separate und sehr effektive Klangreglung und zusätzlich den bekannten 5-Bandequalizer. Hinzu kommen noch diverse Möglichkeiten, die Beschaltung und damit auch den Klang der Endstufe zu ändern. Wenn man da nicht in etwa weiß, was man macht und was die einzelnen Parameter bewirken, kann man leicht den Überblick verlieren und das Ergebnis ist dann leicht ein suboptimaler Sound. Im Grunde verhält es sich beim Mark IV ähnlich, wie bei einem Multieffektgerät: man kann sehr viele verschiedene und phantastische Sounds kreieren, man muss nur wissen wie. Dafür muss man sich aber mit dem Gerät ein wenig mehr auseinandersetzen, als man es sonst gewohnt ist. Wie bei einer guten Gitarre, lernt man die Schattierungen und Möglichkeiten des Mark IV auch erst mit der Zeit kennen.

Am Anfang war aber auch ich ein wenig verunsichert, weil es schon sehr anders klang, als mein geliebter Bassman und sich vor allem auch beim Spielen anders anfühlte. Aber ich hatte doch sehr schnell meine Grundsounds gefunden und nun geht es mehr um die Feinheiten. Aber dann kommt immer wieder die Neugierde in mir auf, die mich dazu verleitet, mit allen Einstellungen noch mal von vorne zu beginnen, um wieder etwas neues auszuprobieren. Das alles ist sehr inspirierend und macht höllisch viel Spaß!

Ob ich am Ende wieder zum Bassman zurückkehre, kann ich noch nicht sagen. Es sind zwei verschiedene Welten und für den einen oder den anderen Weg zu entscheiden ist vielleicht auch gar nicht notwendig. Schließlich spiele ich je nach Lust und Laune ja auch verschiedene Gitarren, ohne mich auf eine festzulegen. Warum sollte das nicht auch für den zweiten Teil des Instruments, den Verstärker gelten?

Roland Cube 20

Roland Cube 20

Dies ist ein Amp aus den 80ern und mein erster wirklicher Verstärker. Die damalige Cube Serie hatte verschiedene Modelle mit 20, 40, 60 und 100 Watt und es gab auch eine Serie speziell für Keyboards und später auch eine mit eingebautem Chorus. Durch ihre unglaubliche Robustheit und nicht zuletzt durch ihren sehr guten Sound haben sich die orangenen Cubes einen sehr guten Ruf erworben. Der Amp ist absolut unverwüstlich. Er verträgt sich mit jedem vorgeschalteten Effektgerät und hat für seine Größe einen erstaunlichen Sound. Manche haben ihn auch schon für einen kleinen Röhrenamp gehalten, kein Scherz. Außerdem eigenet er sich sehr gut für Aufnahmesessions.

Dieser Amp, der SD-1 und der CE-2 sind die drei Teile, die mich von Anfang an begleitet haben. Es sind meine ältesten Geräte.

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